veranstaltungsart: projekt
lehrpersonen mit zuordnung: reinhard franz (selbst)
beschreibung:
die kunst kann keine antworten zu komplexen gesellschaftlichen fragen geben, sie kann und muß aber fragen stellen und modelle entwickeln, die die aktuellen fragen aufgreifen und eine eigene sichtweise abbilden.
man kann viel (sicher auch gutes) über das bauhaus sagen, eine sache aber ist für mich die bemerkenswerteste an sich. ein jahr nach den schrecken des ersten industrialisierten krieges mit seiner tötungsmaschinerie, die so unendlich viel leid über europa gebracht hat, treffen sich in weimar menschen aus aller herren länder, um die moderne zu begründen. dies ist meiner meinung nach der größte beitrag, den das bauhaus geleistet hat. ungeachtet dessen, daß 20 jahre nach der bauhaus gründung in weimar der schrecklichste aller kriege wieder von deutschem boden ausging.
die gründung des bauhauses 1919 trug die folgende vertreibung, oder wie gerne gesagt wird, dem umzug nach dessau schon in sich. das völkisch-bürgerliche lager, tatkräftig von den faschisten unterstützt, denen das libertär-liberale treiben am bauhaus ein dorn im auge war, machte die flucht des bauhauses nach dessau notwendig.
auch heute haben wir es wieder mit vertreibung zu tun, mit ausgrenzung, herabsetzung, willkür, verächtlichmachung und diskriminierung, mit lagern und internierung, wenn die unbehaglichkeit bei der vorstellung des fremden in fremdenhass mündet.
im weimar der institutionen widmet man sich 2019 der vergangenheit, weiht ein neues museum ein und verbindet mit dem dazugehörigen museumshop die hoffnung, daß der rüstige new-ager im mausoleum der moderne und in der stadt der toten dichter auf mephisto dem bequemschuh genug geld in den opferstock des konsum wirft, damit dieses der stadt wohltut und der spender mit gutem gewissen seine rückfahrt im reisebus antreten kann [buchenwald im reiseprogramm nicht vorgesehen].
ich möchte folgende frage stellen und mit ihnen diskutieren: wie sollte das 100 jährige jubiläum der gründung des bauhauses gestaltet sein? sollte man nicht einen ort kreieren, an dem gestalter, kulturschaffende, architekten, künstler, egal welcher ethnie oder glaubens, ihre vorstellung einer besseren und zukunftssicheren welt diskutieren und gemeinsam an einem solchen modell arbeiten? wäre das lauschige weimar dazu nicht der ideale ort, wie es weimar zur gründung des bauhauses und auch zur verfassungsgebenden versammlung 1919 war, als teile des kontinents die tiefen verletzungen des krieges zu heilen versuchten, sich in münchen, berlin dem ruhrgebiet und anderen deutschen städten die politischen kräfte bewaffnet und bis zum äussersten bereit gegenüber standen?
literatur: die bibel; stéphane hessel, empört euch!; ernst jünger, strahlungen 1&2; tom wolfe, mit dem bauhaus leben;
musik: j.s. bach: matthäus-passion; günter noris und die bundeswehrbigband: it´s swingtime
bemerkung: updates ab oktober unter www.survife-the-bauhaus.com
raum und zeit: wird in der projektpräsentation mitgeteilt
zuordnung zu einrichtungen: fakultät kunst und gestaltung
voraussetzungen: selbstständiges abstraktes denken
leistungsnachweis: note
studiengänge: egal